Die Workshops finden am Samstag von 10.45 Uhr bis 12.45 Uhr statt.

Emotionsarbeit und Geschlechterverhältnisse – kritische Perspektiven

Emotionen sind Teil kapitalistischer Produktionsverhältnisse: in der Erwerbsarbeit als Anforderung an Arbeitende, v.a. in Dienstleistungen und Care Berufen, Gefühle darzustellen, zu vermitteln und auch auszuhalten. Im Privatleben reicht Emotionsarbeit vom „Mental Load“ (für soziale und emotionale Aufgaben in der Familie zuständig zu sein) bis hin zu der Aufforderung auf der Straße: „lächel doch mal“. Die feministische Kritik hat in den letzten Jahrzehnten Emotionsarbeit als geschlechtsspezifische Anforderung und Zumutung vielfach aufgegriffen, während gleichzeitig kapitalismuskritische Autor*innen erforschen, wie Emotionen im Neoliberalismus in Wert gesetzt werden. Dieser Workshop will zentrale Erkenntnisse der Verflechtung „Arbeit und Emotionen“ jenseits der Dichotomie von Arbeit und Privatleben gemeinsam erarbeiten und kritisch diskutieren. Im Fokus stehen dabei Fragen wie: was bedeutet es, Emotionsarbeit zu leisten? Wie wird diese unsichtbar gemacht und wie werden darin Kategorien sozialer Ungleichheit reproduziert? Nicht zuletzt wollen wir danach fragen, welche Räume für Subversion und Widerstand sich ausmachen lassen. 

Referent*in: Isabel Klein, Soziologin

Care und Kapitalismus

In unserem Workshop beschäftigen wir uns mit der nach wie vor fest verankerten Trennung von Lohn- und Haus-bzw. – Reproduktionsarbeit und den Bedingungen, unter denen sie in der Vergangenheit und heute wo und von wem besorgt werden. Wir fragen uns, woher diese Unterscheidung rührt, wie alt sie ist und was sie mit Klassengesellschaften zu tun hat und werfen einen Blick auf die unterschiedlichen Rollenzuschreibungen und vor allem: auf den Begriff Arbeit an sich. Warum sagen wir „Ich geh arbeiten“ wenn wir ins Büro, auf den Bau oder in den Kindergarten gehen, nicht aber auf dem Nachhauseweg Richtung Wäschewaschen, Kinderbetreuung und Abendessen kochen? Worum kämpften und kämpfen linke FeministInnen und feministische MarxistInnen in den vergangenen Jahrzehnten und heute? Welche Rolle spielt das umkämpfte Thema Reproduktion in den verschiedenen Arbeiter*innenbewegung und was hat es mit dem Begriff Care auf sich?

Und nicht zuletzt schmökern wir ein bisschen in Dario Fos und Franca Rames Theaterstück „Nur Kinder Küche, Kirche“ und diskutieren gemeinsam lustige und ernste Ideen, wie sich Gesellschaft anders denken lässt. Die Vorfreude ist groß 😊!

Referent*in: Anna Svec, Aktivistin

 

Armutsrisiko Geschlecht: Feminismus ist Klassenkampf

„Job weg, Geld weg, Wohnung weg, Freunde weg“ – so beschrieb mir eine ehemalige Kollegin ihren „Sinkflug ins soziale Abseits“. Als alleinerziehende Mutter saß sie in der Armutsfalle – wie viele Frauen in Deutschland. Denn eines der größten Armutsrisiken in Deutschland ist, eine Frau zu sein. Die verschiedenen Aspekte der Armut von Frauen werden wir in dem Workshop offen legen.

Sowohl in jungen Jahren als auch im Alter sind Frauen deutlich stärker armutsgefährdet als Männer. Die Gründe dafür sind vielfältig: Frauen sind aktiv und engagiert. Sie kümmern sich um die Kinder, sie pflegen alt gewordene Angehörige, sie wirken ehrenamtlich mit in politischen Gruppen oder in sozialen Initiativen. Sie bringen über die Hälfte mehr Zeit unentgeltlich in die Sorgearbeit ein als Männer. Als Dank ernten sie schlechte Rückkehrchancen in den Beruf, prekäre Arbeitsverhältnisse und deutlich geringere Renten. 

Für Frauen hat sich immer noch nicht das Recht auf eigenständige Existenzsicherung durchgesetzt, unabhängig davon in welchen Zusammenhängen sie leben. Die Tatsache, dass Arbeitsmarkt-, Familien-, Wohnungsbau- und Sozialpolitik immer noch an einem Familienmodell orientiert sind, das einen Haupternährer und eine Zuverdienerin vorsieht, verdrängt Frauen aus dem regulären Arbeitsmarkt in prekäre oder unbezahlte Beschäftigungsverhältnisse.

Lange ist bekannt, was dieser strukturellen und institutionellen Diskriminierung ein Ende setzen würde. Unter anderem geht es um das Schließen des Gender-Pay-Gaps, oder dass Frauen konnotierte Berufe grundlegend besser bezahlt werden müssen oder dass Sorgearbeit für Kinder oder zu pflegende Angehörige nicht länger die Ursache dafür sein darf, in Armut zu geraten. Dafür braucht es Veränderungen im Steuer-, Sozial- und Familienrecht. Und was noch? Was muss der Staat tun? Was die Gesellschaft? 

Im Workshop werden wir die verschiedenen Ebenen und Bereiche institutioneller sowie struktureller Diskriminierung von Frauen* im Kontext von Armut identifizieren. Des Weiteren wird uns die Frage beschäftigen, was das alles mit Kapitalismus zu tun hat. Im letzten Teil des Workshops möchte ich einen Überblick über die politischen Forderungen geben und darüber mit euch diskutieren. 

Referent*in: Sophie Schwaab, Referentin für Arbeitsmarktpolitik

 

Trans* Emanzipation – Kontinuitäten und Brüche

In dem 3-teiligen Workshop werden wir erst gemeinsam Begrifflichkeiten und Grundlagenwissen zum Thema Trans* erarbeiten. Im zweiten Teil bietet Daria K. Majewski einen historischen Überblick zur Entwicklung der Identität Trans* in der Moderne mit einer ersten These zu Kontinuitäten und Brüchen von Trans*emanzipation. Im Anschluss daran stellt Nick Heinz das sog. Transsexuellengesetzes (TSG) vor, das Vornamens- und Personenstandsänderung für trans*Personen regelt. Am Beispiel des TSG, seiner Historie sowie des vor kurzem diskutierten Reformentwurfs werden die Kontinuitäten von institutionalisierter Trans* Unterdrückung aufgezeigt und aktuelle Forderungen trans*emanzipatorischer Politik beleuchtet. Im dritten Teil des Workshops werden wir mit den Teilnehmer*innen das Vorgetragene diskutieren und gemeinsam die Frage der geschlechtlichen Emanzipation weiterdenken.

Referent*innen: Daria Majewski, Autorin und Aktivistin & Nick Heinz, LGBTIQ*Aktivist

 

Schwangerschaftskonfliktberatung – eine Entmündigung der Frau*

An den unterschiedlichsten Stellen wird gerade über die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen* gesprochen, sei es Anfang des Jahres im Bundestag, bei Anne Will, auf Instagramkanälen oder auf der Straße bei lauten Protesten im September zum Safe Abortion Day. Immer geht es um das Recht auf Schwangerschaftsabbruch. Aber wer bestimmt über den Körper der Frau*? Wie kommt es, dass wir nach wie vor unsere Stimmen so laut erheben müssen? 

Dieser Workshop wird einen Überblick über die Entstehung und Bedeutungen der Paragrafen zum Schwangerschaftsabbruch (§§218 und 219 StGB) geben und die Kriminalisierung im Kontext patriarchaler Machtstrukturen gemeinsam diskutieren.

pro familia setzt sich seit 1952 für eigenverantwortliche Familienplanung und selbstbestimmte Sexualität für alle Menschen ein und ist Träger von über 180 Beratungsstellen deutschlandweit. 

Referent*in: Diana Heide, Sozialpädagogin und Referentin bei pro familia

 

Geschlechterverhältnisse im Kapitalismus

In diesem Workshop werden wir ergründen wie Geschlechterverhältnisse und kapitalistische Produktionsweise zusammenhängen und sich wechselseitig bedingen. Was heißt das, wenn wir von Geschlechterverhältnissen sprechen, was ist der Kapitalismus und wie hängt er mit Ungleichheit der Geschlechter zusammen? Wie hat sich das Geschlechterverhältnis in den letzten Jahrzehnten gewandelt und was gibt es noch zu tun? Neben grundlegenden Fragen wollen wir uns in einem zweiten Teil außerdem nach den Möglichkeiten und Notwendigkeiten feministischer Kritik im und am Kapitalismus widmen.

Referent*in: Dimitra Kostimpas, Soziologin

 

Klimagerechtigkeit und Feminismus

Die Klimakrise schreitet immer schneller voran. Sie ist das Resultat der Ausbeutung von Mensch und Natur. Unter dieser Ausbeutung, aber auch den Folgen der Klimakrise und unter Aspekten von Klimapolitik leiden insbesondere marginalisierte Gruppen. Frauen* sind zum einen besonders davon betroffen – und leiten Widerstände an, schaffen Wandel auf unterschiedlichen Ebenen wie zum Beispiel durch ihr Wissen bei Anpassung an den Klimakrise. Die jüngere Klimabewegung, ob Ende Gelände oder Fridays for Future, ist durch junge Frauen geprägt wie kaum eine Bewegung zuvor. Gemeinsam wollen wir uns den Fragen nähern: Welche Rolle spielt (Queer-)Feminismus im Angesicht der Klimakrise? Warum ist Feminismus essentieller Teil von Klimagerechtigkeit? Und was macht eine feministische Klimabewegung aus? Referent*innen sind Rebecca Morsch und Franziska Pennekamp. Beide arbeiten zu Klimagerechtigkeit und Feminismus – im universitären Kontext, der Klimabewegung oder bei internationalen Verhandlungen.

Referent*innen: Rebecca Morsch & Franziska Pennekamp

 

Europe will be feminist! Working together for sexual & reproductive health & rights across Europe.

When all women, trans, genderqueer and/or intersex people in Europe will have the ability to make choices and decisions about our bodies and our futures – we will be one step closer to dismantling the patriarchy in Europe. 

In this workshop we take a trip around Europe to understand how feminist movements are fighting for some key Sexual & Reproductive Health & Rights (SRHR), in particular access to abortion. We will explore how these fights link to each other and how physical, political, and digital borders and boundaries help to shape and frame these campaigns.

If you want to know more about SRHR across Europe and discuss how young greens can support these movements, this is the workshop for you! The workshop will be held in english.

Referent*in: Mina Tolu, Co-Spokesperson FYEG

 

Feministische Stadt- und Raumplanung

Städte wurden Jahrzehnte lang fast ausschließlich von Männern* entworfen. Sie orientieren sich an den Bedürfnissen von Vollzeit arbeitenden Männern und vernachlässigen die Bedürfnisse von Menschen, die Sorgearbeit leisten. Das männliche Modell wird als allgemeingültiger Normalzustand unterstellt. Dieser Normalzustand geht von einem festen Arbeitsplatz aus, von dem aus man zwischen Wohnen und Arbeit pendeln muss. Anhand dieser Annahme wird auch der öffentliche Verkehr oft gebaut: Schnelle Verkehrsmittel machen ein Zentrum zwar schneller erreichbar, erschweren aber Querverbindungen zwischen den Quartieren und die Nutzung von öffentlichem Verkehr an den sogenannten Randzeiten. Infrastruktur und Betrieb sind am männlichen Pendler ausgerichtet. Weibliche Pendlerinnen leisten jedoch zusätzliche Sorgearbeit. Diese findet in der Verkehrs- und Stadtplanung aber keine Berücksichtigung. Die langjährige Professorin Christine Bauhardt wird verständlich für Einsteiger*innen in das Thema einführen und Raum für Debatten geben.

Referent*in: Prof. Dr. Christine Bauhardt, Politikwissenschaftlerin

 

Achtung: Das Patriarchat gefährdet deine Gesundheit – Ein Workshop zur Rolle von Geschlecht im Gesundheitssystem

Wie kann es sein, dass mehr Frauen an Herzinfarkten sterben als Männer, dass Gewalterfahrungen während der Geburt für Frauen keine Seltenheit sind und dass Krankheiten wie Lipödem, die hauptsächlich Frauen betreffen, kaum erforscht sind? Über all das wollen wir in diesem Workshop reden und dabei erörtern inwiefern Geschlechterverhältnisse und unsere Wirtschaftsweise im Gesundheitssystem zusammenwirken.

Referent*in: Ulle Schauws, Mitglied des Bundestags, Frauen- und Queerpolitische Sprecherin der Grünen Fraktion

 

Women in revolution – Feministische Kämpfe syrischer Aktivistinnen

Während in Rojava ein einmaliges politisches Projekt erprobt wird hat erst der türkische Angriff auf Syrien die Situation der Kurd*innen wieder auf die politische Tagesordnung gebracht. Obwohl sie meist unsichtbar gemacht wurden haben (kurdische) Frauen in der syrischen Revolution eine entscheidende Rolle gespielt. Nach einem antifeministischen Backlash im Assad-Regime belebten sie die syrische Frauenbewegung wieder, leisteten erfolgreich Widerstand und spielten eine Schlüsselrolle im Kampf für Frieden, Freiheit und Gleichberechtigung. Gemeinsam wollen wir uns anschauen, was wir von diesen Aktivstinnen als Expertinnen für Demokratie und Emanzipation lernen können und welche politische Unterstützung möglich ist.

Referent*in: Svenja Borgschulte, Sprecherin der Grünen Landesarbeitsgemeinschaft Migration und Flucht in Berlin

 

Globale Kämpfe: Zur Lage von Frauen im Iran! 

Unser Feminismus ist ein internationaler Feminismus: Deswegen stehen wir als GRÜNE JUGEND solidarisch an der Seite von Frauen im Iran, die gegen den Kopftuchzwang und andere bevormundende Gesetze demonstrieren. Wir freuen uns riesig, dass wir dafür in einem Skype-Gespräch mit Feranak Amidi (angefragt) sprechen können. Sie wohnt in Teheran und London, ist eine überzeugte Feministin und berichtet für den BBC aus dem Iran. Der Workshop findet auf Englisch statt.

Referent*in: Feranak Amidi (angefragt)

Feindbild Klimaschützerin – Der rechte Hass auf Klimaaktivist*innen zwischen Sexismus, Heimatideologie und Gewissenserleichterung

In den letzten Monaten hat sich in rechten Kreisen, vom rechtskonservativen Feuilleton bis zu rechtsextremen Gruppen, ein neues Lieblingsfeindbild etabliert: die Klimaschützerin. Die Referentin Ricarda Lang war im letzten Jahr massiven Angriffen von Rechten ausgesetzt, nachdem sie gefordert hatte, dass Menschen, die durch den Klimawandel ihre Lebensgrundlage verlieren, die Staatsbürgerschaft in europäischen Staaten bekommen sollen. Und bekannte Gesichter rund um die Bewegung #FridaysForFuture wie Greta Thunberg oder Luisa Neubauer werden für individuelle Konsumentscheidungen beleidigt und zu den Vorreiterinnen einer kosmopolitischen Elite gemacht, die es sich zum Ziel gesetzt habe, den Bürger*innen unter dem Vorwand des Klimaschutzes die Freiheit zu nehmen. Dabei ist es kein Zufall, dass die Hetze vor allem Frauen trifft. Der Vortrag dreht sich um die Frage, wie sich der Hass auf Klimaschützerinnen im Kontext eines rechten Frauenbilds und einer völkischen Ideologie von Umweltschutz als Heimatschutz entwickelt. Außerdem soll er verdeutlichen, inwieweit das Feindbild Klimaschützerin als Projektion des eigenen Unbehagens mit der andauernden Zerstörung unserer natürliche Lebensgrundlage funktioniert, und so der Gewissenserleichterung in einer Gesellschaft dient, in der der Erhalt dieser Lebensgrundlage oft nur noch an Hand von Maßstäben des individuellen Konsums verhandelt wird. Darauf aufbauend wollen wir darüber diskutieren, welches Potenzial sich aus der Reflektion auf diese Angriffe für eine linke Klimapolitik ergibt, die beim Klimaschutz über die moralische Bewertung von Einzelentscheidungen und damit auch die vorgegebenen Regeln des kapitalistischen Systems hinaus denkt.

Referent*in: Ricarda Lang, Bundessprecherin der GRÜNEN JUGEND

Parité oder Die Hälfte der Macht für Frauen! – Wie können wir gesellschaftliche Verhältnisse aufbrechen?

Schon vor 40 Jahren bezeichnete es Juristin Elisabeth Selbert als „Verfassungsbruch in Permanenz“, dass Frauen massiv weniger an politischen Entscheidungen beteiligt waren. Wie entwickelt sich die Repräsentanz von Frauen in Gremien deutscher Parteien und ihren Fraktionen in Parlamenten? Was sind die Ursachen der noch immer niedrigen und wieder sinkenden Frauenanteile? Wir wollen in diesem Workshop benennen, welche Definitionen von Macht in vielen Köpfen vorherrschen und welche Strukturen, Mechanismen und kulturellen Muster Frauen von Macht fernhalten. Wir betrachten und diskutieren zusammen gesetzliche Regelungsmöglichkeiten für paritätisch besetzte Parlamente. Außerdem sammeln wir gemeinsam progressive Argumentationen für die Stärkung von Frauen und formulieren unsere Motivation, weshalb Frauen in der Politik gerecht teilhaben sollen. Abschließend widmen wir uns gemeinsam der Frage, wie die gesellschaftliche Debatte um die Hälfte der Macht für Frauen befeuert werden kann, der politische Aktivismus in Bündnissen ausgebaut und echte Veränderung für gerechte Machtverhältnisse vorangetrieben werden kann.

Referent*in: Eva Lettenbauer, Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Bayern und Landtagsabgeordnete